THE-Ranking in der Lehre | Theresia Bauer zieht Zügel an | Polens Hochschulnovelle | 3 ½ Fragen an Axinja Hachfeld

 
Wenn dieser Newsletter nicht richtig angezeigt wird, klicken Sie bitte hier.
 
   
 
 
 
 
 
   
 
Liebe Leserinnen und Leser,
es ist amtlich: Deutschlands Exzellenzunis schwächeln in der Lehre. Anders als Oxford und Cambridge, die beim ersten THE Teaching Ranking ganz oben auf der internationalen Rangliste stehen. Beugen musste sich nun auch Theresia Bauer. In der Zulagen-Affäre gibt Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin dem politischen Druck nach. Ihr Ministerium kontrolliert künftig die Zulagen an Profs. Mehr Autonomie verspricht Polens Wissenschaftsminister Piotr Müller den Hochschulen, und Axinja Hachfeld ermuntert Studierende in ihren 3½ Antworten, Dozenten herauszufordern.
   
 
 
 
 
Das ist wichtig
 
 
   
 
  
Spitzenunis schwächeln in der Lehre
Premiere! Neben dem CHE Hochschulranking und U-Multirank gibt es jetzt noch eine weitere Rangliste für die akademische Lehre. Das erste Times Higher Education Ranking ist veröffentlicht – und lässt Deutschlands Spitzenunis reichlich blass aussehen. Unter die ersten 30 schafft es von ihnen nur die Universität Heidelberg. Sie landet auf Platz 26, liegt knapp vor Göttingen (28) und meilenweit vor den anderen so genannten Exzellenz-Unis. Die LMU, die Uni Tübingen und die TUM dümpeln zwischen dem 51. und 75. Rang. Bremen, Konstanz und die RWTH Aachen sind erst auf den Plätzen 126 bis 150 zu entdecken, und die Universität Köln schafft es noch nicht einmal unter die ersten 200. Ein Desaster. Für die Rangliste waren 30.000 Studierende befragt und 13 Einzelindikatoren herangezogen worden, darunter die Ausstattung. „It should be seen as a pilot ranking“ erklärte THE-Rankingchef Phil Baty, das Ranking wäre ein erster Versuch, die Qualität der Lehre zu vergleichen. Es ist zunächst auf westeuropäische Unis mit mehr als 5000 Bachelorstudierenden beschränkt und soll vor allem eins bieten: „a much-needed fresh perspective on excellence in European higher education – offering a counterbalance to the dominance of research in traditional exercises and shining a light on excellence previously overshadowed by research rankings“ (Phil Baty). Eine Steilvorlage für die Hochschulpakt-Debatte ist das Ranking allemal. So zeigt es, dass sich exzellente Forschung und exzellente Lehre nicht unbedingt ausschließen müssen. Oxford und Cambridge belegen Rang 1 und 2.
  
 
 
Theresia Bauer zieht die Zügel an
Monatelang hat Baden-Württembergs Wissenschaftsministerium in der Zulagen-Affäre dem politischen Druck die Stirn geboten. Jetzt weicht Theresia Bauer (Grüne) doch zurück. Die Vergabe von Leistungs- und Forschungszulagen soll künftig wieder vom Ministerium kontrolliert werden (Stuttgarter Zeitung, Mannheimer Morgen, Badische Zeitung). Mehr als 100 Professoren an elf Hochschulen hatten in der Vergangenheit falsche Zulagen erhalten. Ein Untersuchungsausschuss hörte dazu mittlerweile drei Sachverständige und 23 Zeugen. Weitere 40 Personen sollen noch vernommen werden (focus). Bauer ist seit Mai 2011 im Amt und profilierte sich als Verfechterin einer weitgehenden Hochschulautonomie. Das soll so bleiben. Die Kontrollmechanismen würden die Autonomie nicht antasten, erklärte Bauer. Aha.
  
 
 
Polens neues Hochschulgesetz
Die rund 460 Hochschulen in Polen erhalten ein neues Gesetz, das ihnen größere Freiräume verspricht: "Die Reform stärkt die akademische Selbstverwaltung und die Autonomie der Hochschulen", sagte Wissenschaftsminister Piotr Müller (Science in Poland). Nach der vom Sejm beschlossenen Novelle werden Universitätsräte eingerichtet, die zur Hälfte aus externen Mitgliedern bestehen und ein Vorschlagsrecht für Rektorate erhalten. Die Habilitation wird als Berufungsvoraussetzung abgeschafft, und ab 2019 sollen Professorengehälter steigen. Geplant sind außerdem Exzellenzprogramme für forschungsstarke Unis, regionale Hochschulen und Berufsakademien. Polen gibt derzeit etwa 1,3 Prozent des BIP für Hochschulen aus, etwas mehr als Deutschland (Kooperation International).
  
   
 
 
   
   
   
Anzeige
 
   
   
   
 
 
   
 
 
   
 
 
 
 
Die Zahl
 
 
   
 
   
5,4
Millionen Euro gibt Frankreichs Wissenschaftsministerin Fréderique Vidal
in diesem Jahr für eine nationale Open-Science-Initiative aus. Um Forschungsergebnisse und Daten zugänglich zu machen, sollen in den Folgejahren noch einmal jeweils 3,4 Millionen Euro fließen. Ein Komitee aus 200 Expertinnen und Experten begleitet das Großprojekt.
   
 
   
   
   
   
 
 
   
 
 
   
 
 
 
 
3½  Fragen an…
 
 
   
 
   
Prof. Dr. Axinja Hachfeld  

Juniorprofessorin für Unterrichtsforschung mit Schwerpunkt Heterogenität an der Universität Konstanz
Was haben Sie zuletzt von jemand anderem gelernt?
Manchmal ist einfach nur Zuhören die Lösung.

Welches wissenschaftspolitische Problem lässt sich ohne Geld lösen?
Das Lehrstuhlprinzip zugunsten von Departmentstrukturen aufzulösen – wie von der AG Wissenschaftspolitik der Jungen Akademie vorgeschlagen – um Kooperationen und Austausch zu fördern. In solchen Strukturen wären auch Promovierende Teil des Departments und somit unabhängiger von einzelnen Professor_innen.

Lektüre muss sein. Welche?
Dank der Neuübersetzung von „Boston“ habe ich die Bücher von Upton Sinclair wiederentdeckt. Sinclair schrieb Anfang des 20. Jahrhunderts gegen jedes „Übel der Gesellschaft“ und seine Gesellschaftskritik ist immer noch – oder wieder – aktuell.

Und sonst so?
Studierende: Traut Euch, Fragen zu stellen und Eure Dozent_innen herauszufordern!
   
 
   
 
 
   
 
 
   
   
   
Anzeige
 
   
   
   
 
 
   
 
 
   
 
 
 
 
Diese Woche in der ZEIT
 
 
   
Baut die Schulen um! Sie führen zwei der wichtigsten Konzerne der Republik – und fürchten um Deutschlands Zukunft. Franz Fehrenbach und Nicola Leibinger-Kammüller im Gespräch über Bildung im 21. Jahrhundert

Wer sich fürchtet, ändert nichts Carla Del Ponte hat Mafiosi gejagt, Kriegsverbrechern den Prozess gemacht – und ihr -eigenes Leben riskiert. Jetzt legt sie sich mit den Vereinten Nationen an. Woher nimmt sie ihren Mut? Rechter Apparat Wer steht hinter der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung?

Zur aktuellen Ausgabe
   
 
 
   
 
 
   
 
 
 
 
c.t.
 
 
   
 
 
Sie können es drehen und wenden: Memos aus der Wissenschaftsverwaltung werden im akademischen Alltag ungern gelesen und bleiben oft unbeantwortet. Das könnte auch etwas mit dem Stil zu tun haben, in dem sie verfasst sind: nüchtern, sachlich, manchmal belehrend, in jedem Fall aber emoji-los. Das muss anders werden. Nutzer von Emojis wirken sympathischer, ergab eine Studie der Kölner Wirtschaftspsychologin Wera Aretz. Emojis könnten der „strategischen Eindruckssteuerung“ dienen. Morgen ist Welttag der Emoji, haut die Dinger raus!

Quelle: worldemojiday / Foto: infographica.net
 
 
 
 
 
   
;-) 

Ihr CHANCEN-Team


PS: Gefällt Ihnen der CHANCEN Brief, dann leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an – unter www.zeit.de/chancen-brief. Dann schicken wir Ihnen den Newsletter, solange Sie wollen, immer montags und donnerstags zu.
 
 
 
 
   
Anzeige
Jobs im ZEIT Stellenmarkt
Jetzt Branche auswählen und Suche starten: