Predatory Publishing | Elsevier | Dr. acad. Sommer: Aufgeben oder weitermachen? | Strandlektüre

 
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Liebe Leserinnen und Leser,
kurz bevor das Semester so richtig endet und der Liegestuhl in Sichtweite rückt, geht es in der Scientific Community nochmal richtig zur Sache – Stichwort „Predatoy Publishing“. Wie steht es um das wissenschaftliche Publikationswesen, und wie verändern diese Debatten derzeit die Wissenschaftslandschaft? Wir nehmen diese kapitale Frage zum Anlass für ein CHANCEN Brief-Spezial – unter Das ist wichtig finden Sie alles, was Sie jetzt lesen sollten. Dr. acad. Sommer alias Uli Rockenbauch berät heute alle, die ein bislang unerfolgreiches Drittmittelprojekt mit sich herumtragen und überlegen: Aufgeben oder weitermachen? Danach dann aber wirklich ab in den Liegestuhl. Anna-Lena Scholz empfiehlt in der Fußnote die passende Lektüre.
   
 
 
 
 
Das ist wichtig
 
 
   
 
  
Predatory Publishing
Die Recherche von SZ, NDR, WDR & Team schlägt immer noch Wellen. Um sich auf den Stand der Debatte zu bringen – oder besser noch: sie produktiv fortzuführen –, empfehlen wir folgende Lektüren: Zunächst Hintergrundfakten des SciencemediaCenter sowie die Statements von Helmholtz, Max Planck, Fraunhofer, Leibniz, die die hochgejazzte Dimension der Medienbeiträge („tausende Forscher“) ins richtige Maß setzen. Auf SciLogs hat Markus Pössel versucht, das Ausmaß des Problems nachzurecherchieren, mittels einer eigenen Datenauswertung (Teil 1; Teil 2). Intensiv diskutiert wurde in diversen Threads auf dem Twitter-Account des Politikwissenschaftlers Arndt Leininger (@a_leininger), der im Tagesspiegel außerdem den Begriff „Fake Science“ kritisiert, wie zuvor auch schon Robert Gast auf Spektrum. Was das Predatory Publishing mit Publikationsdruck zu tun hatm wurde im Deutschlandfunk besprochen, unter anderem mit Jule Specht und Martin Lohse. 
  
 
 
Wie Anja Karliczek den Druck erhöht​
Die ZEIT hat zum Thema natürlich auch etwas zu sagen: Martin Spiewak hat bereits in der Ausgabe 11/2017 über Raubjournale, und in der Ausgabe 44/2017 über Pseudo-Konferenzen geschrieben. In der aktuellen Ausgabe spricht er im Interview mit dem Wissenschaftsforscher Stefan Hornbostel über das Ausmaß des Problems – und dass, so Hornbostel, für die Wissenschaft „die Krise der Normalzustand“ sei. Außerdem im Programm: Im Leitartikel kommentiert Anna-Lena Scholz, warum die Ansage von Anja Karliczek, Forscher müssten sich besser erklären lernen, eine fatale Logik birgt – weil sie den Druck auf die Wissenschaft erhöht.
  
 
 
Elsevier vs. Deal
Einen haben wir noch! Sind die etablierten, großen Wissenschaftsverlage wie Elsevier, SpringerNature und Wiley Teil des Problems eines unübersichtlichen Publikationsmarktes – oder seine Lösung? Seit zwei Jahren laufen die Verhandlungen zwischen den Großverlagen Elsevier, SpringerNature und Wiley mit dem Projekt Deal um bundesweite Lizenzverträge. Es geht um viel, beide Seiten taktieren, bisweilen raubeinig. Vor allem der größte Player im Feld, Elsevier, hat in der Scientific Community kein gutes Standing: Kaum fällt das E-Wort, steigt der Puls. Zurecht? Anna-Lena Scholz hat das Unternehmen in Amsterdam besucht und mit beiden Seiten gesprochen. Recherchefazit: Es ist kompliziert. Und einfache Wahrheiten, wer die gute und böse Partei ist, einer differenzierten Debatte leider unwürdig. „Wem gehört das Wissen?“ – CHANCEN, S. 61.
  
   
   
   
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Hin und her im Süden
Nach einem ruckeligen Ausschreibungs- und Auswahlverfahren hat die Pädagogische Hochschule Weingarten endlich eine neue Rektorin auserkoren – die Professorin für Pädagogische Psychologie und bisherige Prorektorin für Forschung, Karin Schweizer. Sie übernimmt von Werner Knapp, der laut Schwäbischer Zeitung wohl Sorge hatte, nicht wiedergewählt zu werden und seine Kandidatur zurückgezogen hat.

Kanzlerrotation im Norden
Die Universität Greifswald hat einen neuen Kanzler: den Wirtschaftswissenschaftler Frank Schütte. Er übernimmt das Amt von Wolfgang Flieger, der wiederum an die  Hochschule für Angewandte Wissenschaft in Hamburg gewechselt ist.

Fortschritt in Harvard
Revolution an der Faculty of Arts and Sciences in Harvard: Erstmals wurde jetzt mit Claudine Gay eine Frau und Person of Colour zur neuen Dekanin berufen. Die Professorin für African und American Studies wird die Position im August antreten. (The Crimson)

Job: La Dolce Vita
Holen Sie die Sonnenbrille raus, und ziehen Sie Goethes Italienische Reise aus dem Regal. Ihre Familie können Sie auch einpacken und mitnehmen – und zwar nach Rom. Die Villa Massimo sucht für vier Jahre eine neue Direktorin (m/w)! Details stehen, wie immer, im neuen Stellenmarkt.
  
   
 
 
   
 
 
   
 
 
 
 
Dr. acad. Sommer
 
 
   
 
   
Lieber Dr. acad. Sommer,
ich habe eine Projektidee, mit der ich gerade zum dritten Mal bei einer Antragstellung gescheitert bin. Für mich steckt hier viel Herzblut drin, aber umso größer ist natürlich der Frust. Ist es jetzt Zeit, die Idee zu begraben? Oder sollte ich einfach hartnäckig bleiben und den Antrag weiter an verschiedenen Stellen einreichen?


Liebe/r X,
viele der bisherigen Nobelpreise basierten zunächst auf obskuren Ideen, die nur schwer zu finanzieren waren. Insofern lohnt es sich, hartnäckig  zu bleiben. Aber Achtung: Nur eine obskure Idee zu haben, führt selten zu einem Nobelpreis – der Umkehrschluss funktioniert also leider nicht!
Das Wichtigste an einem abgelehnten Antrag sind die Kommentare der Gutachter. Sie ermöglichen es Ihnen, zwei grundsätzliche Fälle zu unterscheiden: Wurde Ihre Idee einfach nicht verstanden? Dann müssen Sie an der Darstellung Ihrer Idee arbeiten. Oder wurde sie verstanden, aber inhaltlich kritisiert? Dann müssen Sie sie überdenken, vielleicht sogar anpassen. Die schlechteste Strategie besteht jedenfalls darin, den nächsten Projektantrag genau so einzureichen wie bisher. 
Dazu folgende numerische Betrachtung: Die großen Drittmittel-Förderprogramme haben Zusagequoten von etwa 20%. Rein statistisch (!) betrachtet, sind für einen durchschnittlichen Antrag also fünf Anläufe nötig, bis dieser Erfolg hat. Nach drei Absagen ist es also definitiv zu früh, das Handtuch zu werfen. Viel wichtiger ist aber die Frage: Kritisieren die Gutachter immer dieselben Punkte? Dies wäre ein deutlicher Hinweis, dass Ihre Projektidee tatsächlich Schwächen hat.  Diese Kommentare sind auch deshalb so wertvoll, weil sie die Schwächen Ihres Antrags offen und direkt ansprechen. Wenn Sie hingegen Ihre Kollegen nach ihrer Meinung fragen, kommt eine soziale Komponente hinzu: Wer Ihnen nahesteht, möchte Ihnen nicht mit Kritik wehtun – auch wenn vielleicht genau das notwendig wäre.
Falls Ihre Institution ein Büro für Forschungsförderung hat, sollten Sie unbedingt auch dort um Rat fragen. Denn die Drittmittel-Referenten sehen jährlich mehrere Dutzend Anträge und können daher beurteilen, wo Ihr Projekt ggf. Schwächen hat und wie Ihre Chancen bei einer weiteren Einreichung stehen. Möglicherweise haben Sie ja auch nur das falsche Förderprogramm gewählt, oder Sie haben ein Alleinstellungsmerkmal nicht ausreichend herausgearbeitet? In jedem Fall kann Ihr nächster Antrag von einer kritischen Überarbeitung nur profitieren.

Dr. Uli Rockenbauch ist Persönlicher Referent der Geschäftsführerin der Helmholtz-Gemeinschaft und berät die Scientific Community im ZEIT CHANCEN Brief als "Dr. acad. Sommer".
   
 
   
 
   
Auch eine Frage an Dr. acad. Sommer? Schreiben Sie an chancen-brief@zeit.de, twittern Sie unter #ChancenBrief – oder hinterlassen Sie uns in diesem Kotaktformular anonym eine Frage!
   
 
   
 
 
   
 
 
   
 
 
   
   
   
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Diese Woche in der ZEIT
 
 
   
Wem gehört das Wissen? Elsevier ist der größte Wissenschaftsverlag der Welt. Doch seine Fachzeitschriften lässt er sich teuer bezahlen. Jetzt begehren Forscher auf. Eine Auseinandersetzung, die die Universitäten verändern wird 

»Die drucken alles gegen Geld« Wie schlimm sind Fake-Zeitschriften? Und ist der Publikationsdruck wirklich so hoch? Fragen an den Wissenschaftsforscher Stefan Hornbostel Leben auf Probe Ein Theaterprojekt in Stuttgart fördert die Integration von Flüchtlingen Ich seh’ den Sternenhimmel Draußen schlafen, ohne Zelt? Und dann noch mit Kindern, wie soll das gehen? Maximilian Probst hat es versucht. Endlich kann er seinen Söhnen den Großen Wagen zeigen

Zur aktuellen Ausgabe
   
 
 
   
 
 
 
 
Fußnote
 
 
   
 
   
Gestern habe ich in meinem Büro ein bisschen aufgeräumt. Ich habe weggeschmissen. Papierberge vor allem. Alte ZEIT-Ausgaben, nie realisierte Themenskizzen, verstaubtes Pressematerial. Was bleiben durfte: Alle Ausgaben der Avenue – einem Magazin für „Wissenskultur“, wie es sich nennt, und das Sie hoffentlich schon kennen. Ein grandioser Beweis dafür, dass ein intelligentes, unterhaltsames Magazin von und für Geistes- und Sozialwissenschaftler*innen möglich ist. Besonders toll: Die Texte werden erst online publiziert und ebendort diskutiert – und erst anschließend, samt Kommentaren, im Heft aufbereitet. Das Thema der neuesten Ausgabe lautet „Junge Männer“; besonders lesenswert fand ich Valentin Groebner (und Kommentierende) über „Junge Männer in Academia“. Kaufen, abonnieren, weitersagen. Und dann ab an den Strand.
Anna-Lena Scholz
   
 
   
 
 
   
Bitte essen Sie heute auf jeden Fall ein Eis!

Ihr CHANCEN-Team


PS: Gefällt Ihnen der CHANCEN Brief, dann leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an – unter www.zeit.de/chancen-brief. Dann schicken wir Ihnen den Newsletter, solange Sie wollen, immer montags und donnerstags zu.
 
 
 
 
   
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