Karliczek trennt sich von Quennet-Thielen | Verirrte Wissenschaft | Ungarns Wissenschaftsakademie verliert Budgethoheit | 3 ½ Fragen an Sunhild Kleingärtner

 
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Liebe Leserinnen und Leser,
wir starten mit einem Hangover in die Woche. Anja Karliczek trennt sich von ihrer Staatssekretärin Cornelia Quennet-Thielen. In turbulentem Fahrwasser steckt auch die Wissenschaft. Nach Publikationen in scheinwissenschaftlichen Verlagen muss sie um ihre Integrität fürchten. Für Klasse statt Masse (nicht nur) bei Publikationen plädiert Sunhild Kleingärtner in ihren 3 ½ Antworten. Und in Ungarn wird gerade die Akademie der Wissenschaft unterjocht. Wem das alles viel zu überdreht vorkommt, findet im c.t. eine coole Antwort.
   
 
 
 
 
Das ist wichtig
 
 
   
 
  
Karliczek trennt sich von Cornelia Quennet-Thielen  
Die heiße Phase der Bund-Länder-Verhandlungen zu den großen Wissenschaftspakten steht kurz bevor, und plötzlich ist unklar, in welcher Formation das Bundesforschungsministerium in die entscheidenden Gesprächsrunden zieht. BMBF-Chefin Anja Karliczek lässt ihre beamtete Staatssekretärin Cornelia Quennet-Thielen zum Monatsende in den einstweiligen Ruhestand versetzen. Das bestätigte das Ministerium am Freitagnachmittag auf Anfrage, nachdem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Karliczeks Bitte entsprochen hatte. Zuvor war über fast zwei Tage hinweg Rätselraten angesagt. Eine Meldung der Wirtschaftswoche von Mittwochabend ließ das Ministerium lange unkommentiert in der Öffentlichkeit stehen (Wiarda-Blog, Tagesspiegel). Quennet-Thielen war über zehn Jahre hinweg Staatssekretärin im BMBF. Die 61-Jährige galt als durchsetzungsstarke Expertin in der Wissenschaftspolitik. In den anstehenden Verhandlungen mit den Ländern geht es um milliardenschwere Bund-Länder-Programme. Der Hochschulpakt, der Qualitätspakt Lehre und der Pakt für Innovation und Forschung sollen im Frühjahr 2019 beschlussreif sein. Im November wollen Bund und Länder das lang erwartete Förderprogramm für Fachhochschulen verabschieden. Den Zeitplan hatten Bund und Länder im Frühjahr festgelegt. Wann die Nachfolge von Quennet-Thielen geklärt wird, ist noch unklar. 
  
 
 
Verirrte Wissenschaft   
So viel Aufmerksamkeit ist selten. In einem internationalen Rechercheverbund haben Journalisten des NDR, WDR und der Süddeutschen Zeitung, von den ARD-Landesrundfunkanstalten, dem Deutschlandfunk, dem ORF, Le Monde, Aftenposten, The New Yorker, The Indian Express und des koreanischen Investigativportals Newstapa den bislang unaufhaltsamen Aufstieg scheinwissenschaftlicher Verlage untersucht (tagesschau). Seit Tagen laufen Berichte darüber, wonach sich die Zahl der Publikationen in Pseudojournalen binnen fünf Jahren verfünffachte und rund 5000 Forscher deutscher Hochschulen und Institute dazu beitrugen. Weltweit publizierten den Recherchen zufolge rund 400.000 Wissenschaftler in Fake-Verlagen. Heute zeigt das Erste zur besten Sendezeit um 21:45 Uhr die Dokumentation „Fake Science: Die Lügenmacher“. Und dann? Wissenschaftsministerin Anja Karliczek fordert eine gründliche Untersuchung der Fehlentwicklungen bei wissenschaftlichen Veröffentlichungen (DLF), doch wie die genau aussehen soll, bleibt offen. Die Heidelberger Krebsforscherin Jutta Hübner gab in einem NRD-Gespräch (Podcast) zwei Prognosen ab: „Der eine Tipp ist, es gibt einen großen Knall. Der zweite Tipp ist: Die Wissenschaftscommunity wird alles tun, um das ganz schnell verschwinden zu lassen – ich fürchte, wir machen Nummer zwei.“ Die Voraussetzungen dafür sind gut. Statistisch betrachtet sind Publikationen in pseudowissenschaftlichen Journalen in Deutschland eine Randerscheinung. Nach Schätzungen des Kölner Science Media Center liegt ihr Anteil an allen Publikationen bei 1,3 Prozent.
  
 
 
Ungarns Wissenschaftsakademie verliert Budgethoheit
Viktor Orban legt der Wissenschaft weitere Zügel an. Die Ungarische Akademie der Wissenschaften soll ihre Finanzhoheit in weiten Teilen verlieren. Etwa zwei Drittel (87 Millionen Euro) ihres Gesamtbudgets (125 Millionen Euro) sollen künftig direkt vom Ministerium verwaltet werden (Science, THE). Gegen die Pläne hatten Europas Wissenschaftsakademien in einem offenen Brief an Wissenschaftsminister László Palkovics protestiert (Science Business). Die ungarische Akademie fördert universitäre Forschungsprojekte (Kooperation International).
  
   
   
   
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Die Zahl
 
 
   
 
   
50
Gigabyte Daten dürfen Studierende und Beschäftigte an Niedersachsens Hochschulen in der digitalen Gemeinschaftsplattform Academiccloud
 gebührenfrei ablegen und teilen. Die Cloud ist auf 210.000 Nutzer ausgelegt.
 
 
   
 
   
Quelle: GWGD
   
 
 
   
 
 
   
 
 
 
 
3½  Fragen an…
 
 
   
 
   
Prof. Dr. Sunhild Kleingärtner
Geschäftsführende Direktorin des Deutschen Schifffahrtsmuseums und Professorin für Schifffahrtsgeschichte und Maritime Archäologie an der Universität Bremen

Was haben Sie zuletzt von jemand anderem gelernt?
Dass Emotionen gespeicherte Vergangenheit darstellen. Das ist der Grund, warum wir Antworten und Lösungen auf zwischenmenschliche Auseinandersetzungen nicht in der äußeren Welt finden, sondern die Antworten und Lösungen in uns tragen. Wir müssen unseren Blick zunächst nach innen richten.
 
Welches wissenschaftspolitische Problem lässt sich ohne Geld lösen?
Qualität statt Quantität – in Forschung und Lehre, bei Berufungen und Nachwuchsförderung. Es darf beim wissenschaftlichen Output nicht um Masse, sondern es muss um Klasse gehen. Dies ist keine Frage des Geldes, sondern eine Frage der Haltung.
 
Lektüre muss sein. Welche?
Nach Tageszeit und Wochentag verschieden – morgens sind es tagesaktuelle News, abends und am Wochenende Romane, die auf wahren Begebenheiten beruhen und lebensklug und authentisch sind.
 
Und sonst so?
Ich bin davon überzeugt, dass zu einem guten Leben neben Selbsterkenntnis und überwundener Leiderfahrung Humor gehört, der auch dazu dient, sich selbst nicht allzu ernst zu nehmen. 
   
 
   
 
 
   
 
 
   
   
   
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Diese Woche in der ZEIT
 
 
   
Wie erzieht man Demokraten? Der Rechtsruck in der Gesellschaft verunsichert die Schulen und die Politik. Jetzt suchen Lehrer nach Gegenmitteln
 
Demütig und stolz darauf Die Professoren Fritz Breithaupt und Martin Kolmar forderten in der ZEIT, dass Intellektuelle wieder Autoritäten werden sollten. Was für eine abwegige Idee! Finde das Arbeiterkind! Wer mit der akademischen Welt nicht vertraut ist, fremdelt mit der Uni – davon war die Forschung bisher überzeugt. Unsinn, sagt Bildungsexpertin Ingrid Miethe

Zur aktuellen Ausgabe
   
 
 
   
 
 
   
 
 
 
 
c.t.
 
 
   
 
 
Quelle: PHDComics
 
 
 
 
 
   
Es ist Sommer! 

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