Internationalisierung mit Ausrufungszeichen | Spitze in der Militärforschung | Mobbing bei Max Planck | Gastbeitrag: Lisa Mordhorst über die Wahl zum Hochschulmanager des Jahres

 
Wenn dieser Newsletter nicht richtig angezeigt wird, klicken Sie bitte hier.
 
   
 
Liebe Leserinnen und Leser,
wir winken nach Toulouse, wo bis morgen Tausende Wissenschaftler bei der ESOF Open Science voranbringen wollen. Das ist so wenig trivial (Fußnote) wie die Internationalisierung. Der Wissenschaftsrat setzte dazu am Montag ein Zeichen. Außerdem wichtig: Die Fraunhofer Gesellschaft entpuppt sich in der Militärforschung als Drittmittelkönigin. Die Max Planck Gesellschaft kämpft nach Mobbing-Vorwürfen weiter um ihren guten Ruf, und Lisa Mordhorst vom CHE erklärt im Gastbeitrag, warum 30 Hochschulleitungen jetzt Post bekommen haben.
   
 
 
 
 
Das ist wichtig
 
 
   
 
  
Internationalisierung mit Ausrufungszeichen
Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen. Die Regel greift offensichtlich auch beim Wissenschaftsrat, der am Montag seine jüngste Empfehlung zur Internationalisierung mit einem sehr entschlossenen Ausrufungszeichen in die Welt schickte. "Internationalisierung von Hochschulen: Jetzt erst recht!" war da zu lesen. So viel Nachdruck ist beim Wissenschaftsrat ungewöhnlich, weshalb das 140-Seiten-Brevier prompt ein Hingucker wurde (Ärzteblatt, Tagesspiegel, ZWD, Wiarda-Blog). Hochschule, Wissenschaft, Förderorganisationen, die Politik und die Gesellschaft ­– alle haben es gerade mit einer Welt zu tun, in der Wissenschaftsskepsis, Nationalismus und antidemokratische Kräfte auf dem Vormarsch sind. „Wir müssen in allen internationalen Konstellationen klar für unsere Werte und Qualitätsansprüche eintreten und als Botschafter für die freie Ausübung von Wissenschaft, die wissenschaftliche Integrität und den Schutz geistigen Eigentums in die Welt gehen“, erklärte WR-Vorsitzende Martina Brockmeier die Quintessenz des Papiers. Es war in den Beratungen „spontan“ um eine „Idee“ bereichert worden. Wissenschaftliche Kooperationsverträge sollen künftig Werte-Präambeln enthalten. Ein weiterer Zusatzpunkt im wissenschaftspolitischen Auftragsheftchen: die Gründung einer „zentralen Beratungsstelle“ beim DAAD oder der HRK, die insbesondere kleinen Hochschulen und Instituten bei juristischen und politischen Fragen der Internationalisierung helfen soll.
  
 
 
An der Spitze der Militärforschung
Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Donald Trump heute beim Nato-Gipfel in Brüssel aufeinandertreffen, steht der Streit um die Verteidigungsausgaben ganz oben auf der Tagesordnung. Wie viel Deutschland für die Militärforschung ausgibt, ist seit dieser Woche immerhin bekannt. Den tagesschau-Kollegen liegt ein geheimes Papier des Bundes vor, wonach das Verteidigungsministerium in diesem Jahr 47 Millionen Euro für rund 190 Militärforschungsprojekte ausgibt. 2017 waren es 79 Millionen und 2016 über 53 Millionen Euro. Die Fraunhofer-Gesellschaft und das DLR sind die Drittmittelkönige der Rüstungsforschung, aber auch Unis und Hochschulen sind im Geschäft. 24 von ihnen haben Aufträge erhalten. 27 Seiten umfasst die Projektliste, die Nicole Gohlke (Die Linke) als Antwort auf ihre Kleine Anfrage von der Bundesregierung erhielt, und über deren genauen Inhalt die Politikerin schweigen muss. Entwickelt würden, so viel darf Gohlke der tagesschau dann aber doch sagen „vor allem Techniken und Waffen, die man bisher wirklich nur aus Science-Fiction oder James-Bond-Filmen kennt“.
  
 
 
Mobbing-Affäre klebt an Max Planck
Die Max-Planck-Gesellschaft kämpft um ihren guten Ruf. Eine Mobbing-Affäre am Max-Planck Institut für Astrophysik in Garching verfolgt die Münchner Forschungsorganisation seit Monaten beharrlich, ein Ende ist nicht abzusehen (Nature, Spiegel-Online, Deutschlandfunk, Buzzfeed, Academialeaks, Forschung & Lehre). Im vergangenen Februar hatte Spiegel-Online über Schikane-Vorwürfe berichtet, die Nachwuchswissenschaftler gegen eine Direktorin erhoben. Wie die MPG jetzt in einer Stellungnahme deutlich macht, hat sie „intern“ bereits im Jahr 2016 von den „Führungsproblemen“ gewusst und wäre auch tätig geworden. Auf Betreiben der MPG-Leitung erfahre die Direktorin seitdem ein professionelles Coaching. Eine Umfrage unter den Beschäftigten sollte zudem Klarheit bringen. Das Ergebnis liegt nun vor und enthält für die MPG eine gute und eine schlechte Nachricht. Die Gute: Mehr als 80 Prozent der Befragten geben an, mit der Arbeit am Institut zufrieden bis hoch zufrieden zu sein. Die Schlechte: Zwei Personen zeigen sexuelle Belästigung an. Um diesen neuen Hinweisen nachgehen zu können, hat die MPG jetzt eine externe Kanzlei eingeschaltet, an die sich Betroffene vertraulich wenden könnten.
  
   
 
 
   
   
   
Anzeige
 
   
   
   
 
 
   
 
 
 
 
Personen
 
 
   
Ulrich Grothus geht, Christian Müller kommt
Wechsel in der Führungsriege der Bonner DAAD-Zentrale: Christian Müller ist jetzt stellvertretender Generalsekretär. Der bisherige Direktor der DAAD-Strategieabteilung folgt auf Ulrich Grothus, der in den Ruhestand verabschiedet wurde.
 
Neu an die Spitze der Hochschule
Die Martin-Luther-Universität Halle und die Alice Salomon Hochschule haben gewählt. Die Berliner Hochschule leitet von 1. Oktober an Bettina Völter. Die promovierte Soziologin ist seit 2007 Professorin an der Hochschule. In Halle übernimmt Christian Tietje das Rektorenamt. Der Jurist folgt im September auf den Kirchenhistoriker Udo Sträter, der nach acht Jahren nicht mehr kandidierte.

Medaille für @Astro_Alex
Alexander Gerst
alias @Astro_Alex wird für sein Engagement in der Wissenschaftskommunikation mit einer Medaille ausgezeichnet. „Er lässt uns hautnah an seinem Leben als Wissenschaftler im All teilhaben und stärkt damit das gesellschaftliche Bewusstsein für die Wichtigkeit von Forschung“, erklärte der Präsident der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, Dieter Meschede. Rund 1,2 Millionen Menschen verfolgen die Tweets, die der Geophysiker von seinem aktuellen Arbeitsplatz, der ISS, absetzt.  

Uni Potsdam sucht CIO (d/m/w)
Manchmal ist Bürokratensprache wunderbar. „Aus aktuellem Anlass“ zum Beispiel führen Behörden gern Erklärungen ein, die von allgemeinem Interesse sein könnten. Die Anzeige der Universität Potsdam im Stellenmarkt der ZEIT ist so gesehen eine Steilvorlage. Gesucht wird jemand für die Stelle des Chief Information Officer steht in der Annonce und in Klammern dahinter d/m/w. Für alle, die jetzt über das d stolpern. Der Buchstabe steht für divers. Das Bundesverfassungsgericht hatte im vergangenen Herbst die Einführung eines dritten Geschlechts für intersexuelle Menschen gefordert.
   
 
 
   
 
 
   
 
 
   
 
 
   
 
 
   
   
   
Anzeige
 
   
   
   
 
 
   
 
 
   
 
 
 
 
Gastbeitrag
 
 
   
von Lisa Mordhorst
   
 
   
Hochschulmanager des Jahres – der Wettbewerb geht in die heiße Phase
Wo sonst ein Kommentar steht, gibt es heute mal einen Blick hinter die Kulissen, und zwar hinter die Kulissen der Auswahl zur/zum „Hochschulmanager(in) des Jahres 2018“. Denn: Es ist wieder die Zeit im Jahr, zu der CHE und ZEIT ausgewählte Kandidatinnen und Kandidaten für die Auszeichnung befragen. Was steht dahinter? Wie wird der Preis vergeben?
Zunächst wird nach den Hochschulen geschaut, bei denen sich Leistungsindikatoren besonders stark positiv verändern. Dabei geht es um die Bereiche Lehre, Forschung, Internationalisierung sowie Transfer in und Kooperation mit Wirtschaft und Gesellschaft. Dafür sammeln wir hier im CHE nun schon seit ein paar Monaten Informationen, stimmen Indikatoren mit der ZEIT ab, fordern Daten vom DAAD oder Statistischen Bundesamt an, recherchieren, berechnen, gewichten – auch Daten des CHE-Rankings fließen ein. Natürlich vergleichen wir keine Äpfel mit Birnen und differenzieren nach Hochschultypen. Ist auf Basis dieser Berechnungen die Vorauswahl abgeschlossen, schreiben wir die ausgewählten Hochschulleitungen an. 30 Hochschulen mit den besten Ergebnissen haben gestern einen Fragebogen zu ihrem Führungsverständnis und -handeln bekommen. Und auch die Vizepräsidentinnen, Pro-, Konrektoren und Hochschulratsvorsitzende sind eingeladen worden, über einen Online-Fragebogen eine Einschätzung zum Führungsverhalten ihrer Präsidentin oder ihres Rektors abzugeben. Anhand des so gesammelten Wissens wählt im Herbst eine Experten-Jury sechs Finalist(innen) und die/den „Hochschulmanager(in) des Jahres“, welche/r im Rahmen des „Presidents‘ Dinner“ am Vorabend der ZEIT Konferenz „Hochschule & Bildung“ am 5. Dezember 2018 gekürt wird. Für die Jury konnten wir in diesem Jahr unter anderem Johanna Wanka und Magret Wintermantel gewinnen.
Wozu der ganze Aufwand? Wir denken, es ist wichtig, die Leistung von Hochschulleitungen bekannt zu machen und öffentlich zu diskutieren, denn: Gute Hochschulführung verdient es, gewürdigt und nachgeahmt zu werden.
Falls Sie zu denjenigen gehören, die gestern Post bekommen haben: Wir freuen uns, wenn Sie sich beteiligen und zeigen, was gute Hochschulführung an Ihrer Hochschule bedeutet.
 
Lisa Mordhorst ist beim CHE Referentin der Geschäftsführung.
   
 
   
 
 
 
 
Diese Woche in der ZEIT
 
 
   
Baut die Schulen um! Sie führen zwei der wichtigsten Konzerne der Republik – und fürchten um Deutschlands Zukunft. Ein Gespräch über Bildung im 21. Jahrhundert

Wer sich fürchtet, ändert nichts Carla Del Ponte hat Mafiosi gejagt, Kriegsverbrechern den Prozess gemacht – und ihr -eigenes Leben riskiert. Jetzt legt sie sich mit den Vereinten Nationen an. Woher nimmt sie ihren Mut? Rechter Apparat Wer steht hinter der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung?


Zur aktuellen Ausgabe
   
 
 
   
 
 
 
 
Fußnote
 
 
   
 
   
Teilen ist das neue Haben, heißt es seit einigen Jahren. Die Wirtschaft hat aus dem Trend längst ein Geschäft gemacht, die Sharing Economy. Und die Wissenschaft: zaudert. Kürzlich ergab eine Springer Nature-Umfrage unter 7.700 Forschern aus 17 Staaten, dass jeder Dritte Wissenschaftler nichts vom Teilen hält (THE). Meine Forschung, meine Daten. Diese Haltung ist der Studie zufolge vor allem in Kanada anzutreffen. Dort will nur jeder zweite Wissenschaftler seine Forschungsdaten zur Verfügung stellen. Ähnlich zugeknöpft gaben sich Forscher aus den USA (55 Prozent), aus Portugal (56 Prozent) und UK (58 Prozent). Open Science, Pustekuchen? Nicht ganz; es gibt schließlich auch Staaten, in denen Data-Sharing in der Wissenschaft angesagt ist. Ganz vorne sind Polen und Deutschland, wo 76 beziehungsweise 75 Prozent der befragten Wissenschaftler ihre Daten teilen. Weiter so, die restlichen 25 Prozent überzeugen wir auch noch. 
Christine Prußky
 
 
   
 
   
 
 
   
Der CHANCEN Brief ist für alle da. Teilen Sie ihn!

Ihr CHANCEN-Team


PS: Gefällt Ihnen der CHANCEN Brief, dann leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an – unter www.zeit.de/chancen-brief. Dann schicken wir Ihnen den Newsletter, solange Sie wollen, immer montags und donnerstags zu.
 
 
 
 
   
Anzeige
Jobs im ZEIT Stellenmarkt
Jetzt Branche auswählen und Suche starten: