Hochschulmanager/in des Jahres: die Shortlist | Willkommenskultur neu erfunden | Stirnrunzeln über Karliczek | Dr. acad. Sommer: einfach mal zu viel versprochen

 
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Liebe Leserinnen und Leser,
der Countdown läuft. In zwei Wochen, am 6. Dezember, wird der/die Hochschulmanager/in des Jahres gekürt. Die Namen der Finalisten erfahren Sie heute (Das ist wichtig). Auch sonst gibt es viele gute Nachrichten. Von Wissenschaftlern etwa, die in Jena privat Wohnraum für Gastforscher schaffen. Oder von Mäzenen aus den USA und aus Norwegen (Personalien). In der Fußnote finden Sie die eine neue östliche Weisheit, und Dr. acad. Sommer hilft Ihnen aus der Patsche, wenn Sie Ihren Forschungspartnern im Eifer einfach mal zu viel (Geld) versprochen haben.
   
 
 
 
 
Das ist wichtig
 
 
   
 
  
Hochschulmanager/in des Jahres: die Shortlist
Erfolgreiche Hochschulen brauchen Persönlichkeiten an der Spitze. Führungskräfte mit Esprit, Expertise und dem richtigen Gespür für Menschen. Doch was heißt das eigentlich genau, „gute Führung“ an Hochschulen? Und wo lässt sie sich finden? Das Centrum für Hochschulentwicklung und die ZEIT haben sich auch in diesem Jahr wieder auf die Suche nach Hochschulmanager/innen gemacht, die in und mit ihren Einrichtungen besonders viel bewegen. In dem mehrstufigen Auswahlverfahren stehen jetzt die Finalisten fest. Nominiert für den Titel sind: Michael Braun, Präsident der TH Nürnberg; Ludwig Hilmer, Rektor der Hochschule Mittweida; Karim Khakzar, Präsident der Hochschule Fulda; Hans-Jochen Schiewer, Rektor der Universität Freiburg; Peter Sperber, Präsident der TH Deggendorf und Birgitta Wolff, Präsidentin der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Kurzporträts der Finalisten finden Sie hinter den Links. Der beziehungsweise die Preisträger/in wird bei der ZEIT KONFERENZ Hochschule & Bildung am 6. Dezember in Berlin gekürt. Die Jury bilden: Hans-Hennig von Grünberg, HS Niederrhein, Hochschulmanager des Jahres 2017; Manuel J. Hartung, DIE ZEIT; Claudia Peus, TU München; Ulrich Radtke, Uni Duisburg-Essen, Hochschulmanager des Jahres 2015; Marion Schmidt, COGNOS AG; Nathalie von Siemens, Siemens Stiftung; Johanna Wanka Bundesministerin a.D; Margret Wintermantel, DAAD, und Frank Ziegele, CHE.
  
 
 
Willkommenskultur, neu erfunden: Wissenschaftler bauen für Gastforscher
Das Forscherehepaar Bill S. Hansson und Susanne Erland investiert gemeinsam 2,5 Millionen Euro, um Wohnraum für ausländische Wissenschaftler in Jena zu schaffen und ihnen die Integration zu erleichtern (Thüringer Landeszeitung, Ostthüringer Zeitung). Sieben der insgesamt 13 Wohnungen in dem Objekt sollen ausschließlich an Wissenschaftler vermietet werden. „Wir brauchen die besten Doktoranden, Postdocs und junge Professoren. Diese sollten sich willkommen fühlen, sobald sie in Jena ankommen, und sollten am Leben der Stadt wirklich teilhaben können. Dies ist momentan oft nicht der Fall“, erklärte Hansson den Kollegen der Thüringer Landeszeitung. Der Neuroethologe stammt aus Schweden und wurde vor zwölf Jahren nach Jena berufen. Seit 2014 ist Bill S. Hansson Vizepräsident der Max-Planck-Gesellschaft
  
 
 
Stirnrunzeln über Anja Karliczek
Anja Karliczek, die Hochschulen und die Wissenschaft – diese Beziehung bleibt so zerbrechlich wie sie vor acht Monaten begann (ZEIT 47/2018). Allein seit Freitag sorgte die Bundesforschungsministerin mehrfach für Stirnrunzeln in der Szene. Für ihren Vorschlag, in der Berufsbildung die Abschlüsse „Berufsspezialist“, „Berufsbachelor“ und „Berufsmaster“ einzuführen, kanzelte sie Rektorenpräsident Peter-André Alt rigoros ab: „Wir halten diesen Vorschlag für verfehlt“, ließ sich Alt in der Welt am Sonntag zitieren. Er, Alt, habe „die Ministerin bereits dringend gebeten, von einer entsprechenden Novellierung Abstand zu nehmen“. Auf diese öffentliche Ohrfeige folgte wenige Tage später der nächste Rüffel. Der richtet sich zwar auch an die Länder und ist etwas freundlicher formuliert, dennoch lässt die Hochschulrektorenkonferenz in ihrer Stellungnahme keinen Zweifel an der Enttäuschung über Anja Karliczek und den Bund aufkommen: „Im Koalitionsvertrag ist von einer Stärkung der FHs und einem Ausbau der Projektförderung des Bundes für Forschung an Fachhochschulen die Rede. Aus Sicht der FHs/HAWs bleibt das Ergebnis der GWK-Verhandlungen im Bereich der Forschungsförderung daher weit hinter den Erwartungen zurück“, ließ HRK-Vizepräsident Karim Khakzar am Montag in einer Pressemitteilung verlauten. Der Bund steigert seine jährlichen Ausgaben für das Programm in den nächsten fünf Jahren nur leicht, um rund 4 auf 60 Millionen Euro. Die HRK hatte einen Anstieg von 20 Millionen gefordert. Für zusätzliche Irritationen in der Wissenschaft dürften ferner die Äußerungen Karliczeks in der n-tv-Sendung „Klamroths Konter“ sorgen. Darin bezeichnete die CDU-Politikerin die Idee einer Langzeitstudie zu Kindern in Homo-Ehen ungeachtet des bisherigen Forschungsstands (PDF) als „eine spannende Forschungsfrage“.
  
   
   
   
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Susanne Menzel: mit 42 Jahren an die Unispitze gewählt
Die Universität Osnabrück hat sich entschieden. Susanne Menzel soll die 1974 gegründete Hochschule künftig leiten. Sie wird damit die erste Frau an der Spitze der Universität sein. Im Oktober 2019 folgt die bisherige Vizepräsidentin in dem Spitzenamt auf Wolfgang Lücke (NDR).
 
Stephan Kassel wird Rektor in Zwickau
Die Westsächsische Hochschule Zwickau hat jetzt Stephan Kassel zu ihrem neuen Rektor gewählt (Süddeutsche Online). Die amtierende Rektorin Hui-fang Chiao unterlag dem 55-jährigen Informatiker bei der Abstimmung genauso wie eine weitere Kandidatin. Hui-fang Chiao hatte die Hochschulleitung nach der Abwahl von Karl Schwister im Januar diesen Jahres übernommen. Schwister war davor weniger als ein Jahr im Amt gewesen (MDR). Die Erklärungen für Schwisters Abwahl variieren. Er selbst hält seine Kritik am Lehrpersonal für den Grund. In einem Brief hatte Schwister die sächsische Landesregierung darüber informiert, dass an der WHZ nur etwa 55 Prozent aller Professoren ihre Lehrverpflichtungen vollumfänglich erfüllten. Die Hochschule hingegen erklärte die Abwahl mit massiven internen Kommunikationsproblemen. Sie hätten am Ende zu einem Vertrauensverlust geführt.
  
 
Wolfgang Hillebrandt kratzt am Mythos ISS
In der Raumfahrt ist sie das internationale Prestigeprojekt, jetzt hat sie Geburtstag. Die ISS wird 20 Jahre alt (Tagesschau, Süddeutsche Zeitung), und alle freuen sich über Tweets von @Astro_Alex. Der aktuelle ISS-Kommandant, der mit bürgerlichem Namen immer noch Alexander Gerst heißt, beschreibt die orbitale Wohnanlage als „komplexeste, wertvollste und unwahrscheinlichste Maschine, die die Menschheit jemals gebaut hat“. Falsch, findet der emeritierte Direktor des Max-Planck-Instituts für Astrophysik in Garching, Wolfgang Hillebrandt, bei keinem Projekt in der Geschichte der Menschheit sei das Kosten-Nutzen-Verhältnis so schlecht wie bei der ISS (Deutschlandfunk Kultur). Der wissenschaftliche Ertrag der Mission sei äußerst mager. En garde!
 
Bloomberg schenkt seiner Alma Mater 1,6 Milliarden Euro
Tue Gutes und rede darüber. Umgerechnet 1,6 Milliarden Euro spendet der US-Milliardär Michael Bloomberg seiner Alma Mater, der John-Hopkins University, und erklärt seine Motive auch gleich persönlich in der New York Times: “My Hopkins diploma opened up doors that otherwise would have been closed, and allowed me to live the American dream”. Das Geld will Bloomberg für Stipendien verwendet wissen. Die John-Hopkins University bedenkt Bloomberg nicht zum ersten Mal. In früheren Jahren schenkte er ihr bereits rund 1,2 Milliarden Euro. Sein Vermögen machte der 76-Jährige als Investmentbanker (NZZ, Washington Post).
  
 
Norweger baut Traumschiff für die Meeresforschung
Weil wir gerade bei Großspendern sind: Der Bloomberg der Meeresforschung heißt Kjell Inge Røkke, ist 60 Jahre alt und machte sein Vermögen im Fisch- und Ölgeschäft. Für mehr als 300 Millionen Euro lässt der Norweger gerade ein Forschungsschiff bauen, das Wissenschaftler schlicht als „Traum“ bezeichnen. 2021 soll es seetüchtig sein. Mit 183-Metern-Länge wird es das größte seiner Art sein. Die 60 Forscherplätze an Bord dürften die weltweit sehr langen Wartezeiten für Meereskundler auf Forschungsfahrten gleichwohl nur geringfügig verkürzen. "If I want to know what's happening in a particular place, it might not work out within a decade," erklärte die Direktorin des Alfred-Wegner-Insituts, Antje Boetius, in Science.
 
Job: Sechs Clinician Scientist in Würzburg gesucht
Das Uniklinikum Würzburg hat insgesamt sechs Stellen für Mediziner zu vergeben, die neben ihrer klinischen Arbeit unbedingt auch in der Wissenschaft aktiv bleiben wollen. Finanziert warden die Stellen mit Geld aus einem bundesweiten DFG-Programm, das auf eine bessere Vereinbarkeit von Krankenversorgung und Forschung in der Unimedizin zielt. Weitere Informationen zur Würzburger Ausschreibung finden Sie im aktuellen ZEIT-Stellenmarkt.
  
   
 
 
   
 
 
   
 
 
 
 
Dr. acad. Sommer
 
 
   
 
   
Ich bin an einem bald startenden Verbundprojekt beteiligt und habe dem Koordinator kürzlich (ja, ich gebe zu, etwas leichtfertig) zugesagt, dass unser Forschungszentrum einen finanziellen Eigenbeitrag zum Projekt leisten wird. Ich dachte, das sei kein Problem, habe aber mittlerweile erfahren, dass unsere Leitung auf solche Anfragen ziemlich allergisch reagiert. Was jetzt?
 
Liebe/r  X,
auweia! Da gibt es wohl keine andere Möglichkeit, als nachträglich um eine Genehmigung der Gelder zu bitten. Daher sollten Sie sofort das Gespräch mit der Leitung Ihres Forschungszentrums suchen. Falls zwischen Ihnen noch eine weitere Hierarchieebene liegt (z.B. Ihr/e Vorgesetzte/r, Abteilungsleitung, etc.) sollte diese auch beim Termin mit dabei sein. Tränen der Reue müssen Sie bei dem Gespräch nicht vergießen, aber Sie müssen zwei Dinge deutlich machen: Erstens haben Sie verstanden, dass Sie nicht zur Freigabe der Gelder befugt waren. Zweitens war Ihre Zusage keine Taktik, um Tatsachen zu schaffen, sondern eine persönliche Fehleinschätzung. Denn letztere kann jedem Menschen passieren.
Machen Sie in Ihrer Bitte um Bereitstellung der Gelder deutlich, welch hohen Stellenwert das Projekt für Sie persönlich hat. Dabei dürfen Sie natürlich auch ein wenig Buzzword-Bingo spielen und die Besonderheiten des Projekts hervorheben: interdisziplinär, innovativ, gesellschaftlich relevant… Argumentieren Sie aber eher nicht mit dem „strategischen Wert“ für die Institution, diese Schlussfolgerung muss die Leitung selbst ziehen.
Seien Sie außerdem auf Rückfragen gut vorbereitet. Dazu gehören etwa:
Könnten Sie den zugesagten Betrag auch aus Ihren eigenen Haushaltsmitteln tragen? Wenn nein: Kann es Ihre Abteilung/Fakultät?
Leisten alle Verbundpartner denselben Eigenbeitrag? Was wird damit finanziert?
Ließe sich der Eigenbeitrag als „In-Kind-Leistung“ erbringen, z.B. in Form von Arbeitszeit? Oder muss er zwingend „in cash“ auf den Tisch gelegt werden?
Was würde passieren, wenn Sie Ihre Zusage gegenüber dem Koordinator zurückziehen?
Der harte Part ist: Sie müssen respektieren, dass die Leitung auch jetzt noch die Möglichkeit hat, „nein“ zu sagen. Aber wenn Sie hier sowohl Transparenz walten lassen, als auch für die Zukunft Besserung geloben, haben Sie wahrscheinlich eine gute Chance, mit einem blauen Auge davonzukommen – und mit einer Bewilligung der Gelder.
 
Dr. Uli Rockenbauch ist Persönlicher Referent der Geschäftsführerin der Helmholtz-Gemeinschaft und berät die Scientific Community im ZEIT CHANCEN Brief als "Dr. acad. Sommer".
   
 
   
 
   
Auch eine Frage an Dr. acad. Sommer? Schreiben Sie an chancen-brief@zeit.de, twittern Sie unter #ChancenBrief – oder hinterlassen Sie uns in diesem Kontaktformular anonym eine Frage!
   
 
   
 
 
   
 
 
   
 
 
   
   
   
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Diese Woche in der ZEIT
 
 
   
Mein Englischlehrer spricht die ganze Zeit vom Linksverkehr in England. Rechts zu fahren sei dort falsch. Ich finde das unglaublich tendenziell und nicht neutral und bitte um Einschreiten ihrerseits!" Auf AfD-Portalen kann man Lehrer melden, die im Klassenzimmer angeblich Stimmung gegen die Partei machen. Was steckt dahinter?  

Nicht ohne meine Eltern! Die Generation Z drängt in Universitäten und Unternehmen. Sie ist selbstbewusst, aber unselbstständig. Mit wem bekommt es die Gesellschaft da zu tun? Vom Hausunterricht nach Harvard Wie es eine Mormonin an die besten Unis der Welt schaffte: Ein Gespräch mit Tara Westover Nichts Genaues weiß man nicht Warum Fortbildungen für Lehrer mehr Systematik brauchen

Zur aktuellen Ausgabe
   
 
 
   
 
 
 
 
Fußnote
 
 
   
 
   
Expertise ist vielleicht doch überbewertet

Von Japan lernen heißt praktisch neu denken lernen. Der jüngste Beweis dafür fand sich dieser Tage in der New York Times:

(…) “I have been independently running my own business since I was 25 years old,” he said. When computer use is necessary, he said, “I order my employees or secretaries” to do it. (…)

Bei dem derart zitierten Herrn handelt es sich um Yoshitaka Sakurada. Der 68-Jährige ist in der Regierung von Shinzo Abe zuständig für die Cybersicherheit in Japan. Die Sätze stammen aus einer Parlamentsbefragung, in deren Verlauf Minister Sakurada auch zur Sicherheit von USB-Laufwerken Auskunft geben sollte. Seine Antwort:
 
“I don’t know details well,” he said. “So how about having an expert answer your question if necessary, how’s that?”
 
Super Idee!
Christine Prußky
   
 
   
 
 
   
Diese Woche auch schon Schnee gesehen?

Ihr CHANCEN-Team


PS: Gefällt Ihnen der CHANCEN Brief, dann leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an – unter www.zeit.de/chancen-brief. Dann schicken wir Ihnen den Newsletter, solange Sie wollen, immer montags und donnerstags zu.
 
 
 
 
   
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