70 Jahre Wissenschaftsfreiheit | Schuldenfreiheit | Standpunkt Jan-Martin Wiarda: Wer hat hier getrickst? | Foucault auf LSD

 
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Liebe Leserinnen und Leser,
70 Jahre Grundgesetz, 70 Jahre Wissenschaftsfreiheit. Da kann man schon mal eine Flasche Champagner öffnen. Dazu empfehlen wir den Podcast „Fragen zur Freiheit“, den die Allianz der Wissenschaftsorganisationen anlässlich des GG-Jubiläums aufgesetzt hat. Darin stellt der Frankfurter Philosoph Rainer Forst sieben Fragen zur Freiheit der Wissenschaft – in Folge eins an den Münchner Historiker Andreas Wirsching. Heute auch noch im Programm: EU-Forschungspolitik, Schuldenfreiheit – und die Frage: Haben die Länder beim Hochschulpakt getrickst? Zu lesen im Standpunkt, von Jan-Martin Wiarda.
   
 
 
 
 
Das ist wichtig
 
 
   
 
  
Europa I: Keine Flaggschiffe
Die Europäische Union möchte sich als Wissenssupermacht verstanden wissen: als Kontinent der Spitzenforschung und wissenschaftlichen Innovation. Deswegen wurden 2013 die sogenannten Flaggschiff-Programme ins Leben gerufen – Forschungsprojekte, in die über zehn Jahre hinweg eine Milliarde Euro fließen sollte, etwa in das Human Brain Project. Jetzt wurde das Programm plötzlich gestoppt (Science; Spektrum). Was bedeutet diese Wende in der EU-Forschungspolitik? Darüber schreibt in der aktuellen Ausgabe der ZEIT unser Autor Kai Kupferschmidt (Wissen, S. 36). 
  
 
 
Europa II: Plattform für digitale Hochschulbildung
Die EU-Kommission plant, eine Plattform für digitale Hochschulbildung aufzubauen – ein Portal also, das akademische Lehre europaweit verknüpft und Schnittstellen für digitale Campusse aufsetzt. Wie weit diese Planungen vonseiten der Bundesregierung gediehen sind, hat nun eine kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion ergeben. „Die Bundesregierung schätzt die Relevanz dieser Themen als hoch ein“, heißt es in der Antwort – hier als PDF –, man halte es derzeit „allerdings momentan noch [für] verfrüht, von der Einrichtung einer solchen Plattform zu sprechen. (Tagesspiegel)
  
 
 
Schuldenfrei in die Zukunft
Bildungsgerechtigkeit, Chancengleichheit – schöne Worte. Sehr abstrakt aber auch. Konkrete Anschauung bietet dieses Video. Es zeigt den amerikanischen Milliardär Robert F. Smith (Wikipedia), der in seiner Festrede zu Ehren der Absolventen am Morehouse College in Atlanta dem 2019er-Jahrgang zusagt, ihre Studienkredite zu begleichen. Achten Sie mal auf die Gesichter der Studierenden, auf ihre Schultern, die entlastet werden. 
  
   
   
   
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Kanzlerwechsel in NRW
Die FH Münster hat einen neuen Kanzler: der Volkswirt Guido Brebaum übernimmt ab 1. August die Geschäfte einer der größten Fachhochschulen Deutschlands. Er folgt auf dem Posten auf Jens Andreas Meinen, der – ebenfalls als Kanzler ­– an die Universität Duisburg-Essen wechselt.
 
Leitungswechsel in Karlsruhe
Die Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe hat unruhige Fahrwasser hinter sich – 2015 trat Peter Sloterdijk als Rektor ab, zwei Jahr später verließ sein Nachfolger Siegfried Zielinski das Feld, Johan Frederick Hartle sprang interimsmäßig ein. Jetzt kommt der Neustart: mit dem belgischen Kurator Jan Boelen. (SWR2)
 
Job: Konzeptionieren und Umsetzen
No jokes with names, das gilt auch für Berufsbezeichnungen, eigentlich. Aber: „Konzeptionierung und Umsetzung des eKompetenzentwicklungsportfolios“, da muss man schon sehr genau lesen, um zu verstehen, worum es in der zukünftigen Karriere so gehen könnte…. Wer sich angesprochen fühlt, findet alle Infos zum Job an der Universität Vechta im ZEIT Stellenmarkt.
  
   
 
 
   
 
 
   
 
 
   
 
 
   
 
 
 
 
Standpunkt
 
 
   
von Jan-Martin Wiarda
   
 
   
Wer hat hier getrickst?
Als der Bundesrechnungshof neulich seinen Bericht zum bisherigen Hochschulpakt vorlegte – wie lautete da eigentlich seine zentrale Kritik? Richtig, dass die Vorgängerinnen von Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) nicht streng genug mit den Ländern gewesen seien. Dass sie es zugelassen hätten, dass es bei der Verwendung der Bundesmilliarden zu „Fehlentwicklungen, Verstößen, Intransparenz“ gekommen sei. Die BILD rief sogar einen Skandal aus: „Unis geben Steuergeld für Partys aus“, lautete die Schlagzeile, darüber ein Foto von feiernden und teils leicht bekleideten Studenten. Wobei das mit den Partys dann doch eine etwas einseitige Zuspitzung war. 
Aber Moment mal: Sind nicht, wenn man genau hinschaut, die Länder die eigentlichen Beschuldigten? Denen die Rechnungsprüfer attestierten: Es sei sogar fraglich, ob sie überhaupt alle ihre im Pakt versprochene Kofinanzierung geleistet hätten, allerdings sei selbst das das aufgrund des miesen Berichtswesens kaum nachvollziehbar. 
Fest steht: Über die Rolle der Länder und ihre Pakt-Verantwortung ist in den vergangenen Wochen erstaunlich wenig diskutiert worden. So als habe man von ihnen ohnehin nichts Anderes erwartet als das, was der Bundesrechnungshof ihnen vorwarf. Als sei es ganz normal, dass jeder so gut trickst, wie er kann. Während die Enttäuschung an den Hochschulen, dass der Bund sich gegen die jährliche Erhöhung der Paktmittel gesperrt hatte, im Hintergrund von einigen Landeswissenschaftsministern noch genährt wurde. 
Um das nochmal deutlich zu sagen: Wir wissen nicht mit Sicherheit, ob und, wenn ja, welche Länder sich bei der bisherigen Paktfinanzierung einen schlanken Fuß gemacht haben. Ob einige von ihnen, um ihren Eigenanteil zu leisten, anderswo etwas aus der Grundfinanzierung geräubert haben. Aber es gibt Indizien, die darauf hindeuten.
Eines ist aber auch klar: Der neue „Zukunftsvertrag“ ist so formuliert, dass das künftig nicht mehr gehen wird. Weil die Pakt-Mittel, auch die der Länder, als Teil des Vertrages separat und zusätzlich zur Grundfinanzierung nachgewiesen werden müssen. Und weil Länder, die nicht genug zahlen, zur Strafe weniger vom Bund bekommen.
Dieser Erfolg von Anja Karliczek gehört gewürdigt. Übrigens viel mehr als die vermeintliche Bindung der Länder durch die sogenannten Selbstverpflichtungen, für die sie die GroKo-Mehrheit im Haushaltsausschuss des Bundestages vergangene Woche reichlich demonstrativ gefeiert hat. Von einer Bindung der Länder kann da nämlich keine Rede sein. Bei der Kofinanzierung schon.
Nehmen wir einmal an, wie der Rechnungshof vermutet, etliche Länder hätten bislang getrickst, dann hieße das: Der neue Zukunftsvertrag wird für die Landesfinanzminister teurer als der bisherige Hochschulpakt. Und bei den Hochschulen kommt spürbar mehr Geld an. Ganz ohne Dynamisierung. 
   
 
   
 
   
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Entscheidet jetzt ins Internet, was man an der Uni sagen darf? An den Hochschulen bedroht die »politische Korrektheit« linker Studenten die Redefreiheit. So heißt es. Doch die größte Gefahr kommt nicht aus dem Seminarraum

Darauf kann man bauen Wo Architektur studieren? Das Centrum für Hochschulentwicklung hat die Studiengänge des Fachs deutschlandweit verglichen Ich, Du, Er, Sie, Es Unter Jugendlichen wächst das Bedürfnis, über die eigene sexuelle Identität zu sprechen. Was heißt das für die Schulen? Eine Schülerin, eine Lehrerin und ein Direktor erzählen

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Fußnote
 
 
   
 
   
Schon allein für dieses Foto lohnt es sich, diesen Artikel im Times Literary Supplement anzuklicken – Michel Foucault mit verspiegelter Sonnenbrille, dahinter erstreckt sich das Death Valley. Very cool. Der Artikel zum Bild lohnt sich auch – Eric Bulson schreibt über Foucaults Ausflug an den Zabriskie Point und was LSD mit Wissenschaftsgeschichte zu tun hat.
Anna-Lena Scholz
   
 
   
 
 
   
Auch gerne mit Sonnenbrille unterwegs:

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