MIT Media Lab lobt Preis für Ungehorsam aus I Kultusminister beschließen "Masterplan Medizinstudium" I 3 1/2 Fragen an den Kieler Philosophieprofessor Ludger Heidbrink I Dr. acad. Sommer klärt über Karrieren ohne Stallgeruch auf

 
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Liebe Leserinnen und Leser,
wäre das etwas für Sie? Das berühmte Media Lab des MIT schreibt einen Preis für Ungehorsam aus. Ganz brav hingegen beschließen die Kultusminister am kommenden Donnerstag eine Reform des Medizinstudiums. Der Kieler Philosophieprofessor Ludger Heidbrink beantwortet unsere 3 1/2 Fragen, und Dr. acad. Sommer gibt Tipps zur Karriere ohne Stallgeruch.
   
 
 
   
 
   
   
 
Das ist wichtig
 
 
   
 
  
Preis für Ungehorsam
Das berühmte MIT Media Lab lobt einen ungewöhnlichen Preis aus, wie die New York Times berichtet: den Preis für "verantwortungsvollen Ungehorsam". Manchmal müsse man für den Fortschritt Regeln brechen oder persönliche Nachteile in Kauf nehmen, erklären die Stifter. Wer auf diesem Weg der Menschheit Gutes tut, dem winken 250.000 US-Dollar Preisgeld.
  
 
 
Autoren protestieren gegen De Gruyter Verlag
Gegen die betriebsbedingte Kündigung Gertrud Grünkorns, der Philosophie-Abteilungsleiterin bei De Gruyter, protestieren mehr als 150 Autorinnen und Autoren des Verlags in einem offenen Brief an die Verlagsleitung. Zu den Unterzeichnern gehören Dominik Perler, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Philosophie, Thomas Grundmann, Präsident der Gesellschaft für Analytische Philosophie, und viele andere international anerkannte Philosophen.
  
 
 
Kultusminister beschließen "Masterplan Medizinstudium"
An diesem Donnerstag beschließen die Kultusminister eine Reform des Medizinstudiums. Wie Jan-Martin Wiarda in seinem Blog berichtet, soll der "Masterplan Medizinstudium 2020" festlegen, die Anzahl und die Benotung der Leistungsnachweise zu überprüfen. Außerdem sollen die Studenten, wie in den Reformstudiengängen, schon frühzeitig Erfahrungen mit Patienten machen. Mithilfe einer Quote sollen Studierwillige bevorzugt werden können, die sich verpflichten, Landarzt zu werden. Unklar ist noch die Finanzierung der Reform.
  
 
 
Bonsai Silicon Valley
Eine neue Graduierten-Universität im Urlaubsparadis Okinawa soll den Hightech-Standort Japan stärken. Das berichtet die Frankfurter Neue Presse. Von den rund 60 Professoren und 100 Studenten am Okinawa Institute of Science and Technology sind - ungewöhnlich für Japan - rund 60 Prozent Ausländer. Chef des OIST ist ein alter Bekannter: Peter Gruss, der langjährige Präsident der Max-Planck-Gesellschaft.
  
 
 
Leibniz-Institute evaluiert
Drei Einrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft wurden erfolgreich wissenschaftlich evaluiert: das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung in Müncheberg (ZALF), das Mathematische Forschungsinstitut Oberwolfach (MFO), sowie Schloss Dagstuhl, das Leibniz-Zentrum für Informatik in Wadern (LZI). Der Leibniz-Senat empfiehlt Bund und Ländern, die Förderung weitere sieben Jahre fortzusetzen.
  
 
 
 
   
   
   
   
   
   
 
 
   
 
   
   
 
Die Zahl
 
 
   
460 503

Abschlussprüfungen wurden im Jahr 2014 an deutschen Hochschulen abgelegt. Ziemlich genau die Hälfte davon waren Bachelor-Abschlüsse.
 
   
 
 
   
 
   
   
 
3½  Fragen an…
 
 
   
Prof. Dr. Ludger Heidbrink

Professor für Praktische Philosophie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und Leiter des Kiel Center for Philosophy, Politics and Economics (KCPPE)
Eine Erkenntnis, zu der Sie jüngst kamen?
Ganz ehrlich – es gibt keine guten Bücher mehr. Die meisten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler publizieren Artikel in refereed journals oder verfassen kumulative Qualifikationsarbeiten. Aber kaum jemand setzt sich noch hin und schreibt eine ordentliche Monographie. Ich bin mir nicht sicher, ob es nur daran liegt, dass man damit nicht mehr bei Bewerbungen punkten kann, oder ob den Leuten – uns – nichts mehr einfällt. Auch die großen Feuilletons bringen immer weniger Rezensionen wissenschaftlicher Bücher. Aber wo nichts ist, kann auch nichts besprochen werden.

Welches wissenschaftspolitische Problem lässt sich ohne Geld lösen?
Der Zustand der Lehre. Unter der Abschaffung der Anwesenheitspflicht an den Universitäten hat nicht nur die Diskussionskultur gelitten, da niemand mehr da ist, mit dem man diskutieren kann. Die Lehrveranstaltungen nehmen immer mehr den Charakter von Service-Angeboten oder Events an. Man geht hin, weil man gut bedient oder unterhalten wird. Die Abschaffung der Anwesenheitspflicht hat nicht nur Einfluss auf die Lehr- und Lernkultur, sondern auch auf das Prüfungsverhalten. Die Studierenden können sich im Prinzip bei jeder Dozentin und jedem Dozenten prüfen lassen, egal ob sie in ihren oder anderen Veranstaltungen waren – oder nirgendwo. Also schafft man am besten – völlig ohne Kosten – die Abschaffung der Anwesenheitspflicht wieder ab.

Lektüre muss sein. Welche?
Lese gerade „Die siebte Sprachfunktion“ von Laurent Binet. Der Roman beginnt mit dem tödlichen Unfall von Roland Barthes in Paris im Frühjahr 1980, aus dem ein Mordfall wird, in den Michel Foucault, Julia Kristeva, Louis Althusser, Gilles Deleuze und andere prominente Vertreter des Poststrukturalismus verwickelt sind, der auf respektlose, amüsante, bisweilen auch geschmacklose Weise dekonstruiert wird.

Und sonst so?
Habe ich in meinem Forschungssemester angefangen, ein Buch (sic!) über Verantwortungslosigkeit zu schreiben, weil das viel spannender ist als ewige Gerede von der Verantwortung.
   
   
 
 
   
   
   
   
   
   
 
 
   
 
   
   
 
Dr. acad. Sommer
 
 
   
   
Liebes Dr. acad. Sommer-Team,
ich habe bei einer sehr jungen, noch unbekannten Professorin promoviert. Jetzt konkurriere ich mit Leuten, die dank Promotion bei den "Big Shots" meiner Disziplin hervorragend vernetzt sind. In der Wissenschaft auch ohne Stallgeruch vorankommen – geht das?, fragt ein Lonesome Researcher


Von „Stallgeruch“ spricht man, wenn jemand in der Institution, bei der er sich um eine Stelle bewirbt, bereits beruflich Station gemacht hat – und deswegen einen Vertrauensvorschuss erhält. Bei den Mitgliedern einer Berufungskommission löst das die Wahrnehmung aus: „Die Person hatten wir schon mal, die passt zu uns.“
Dieser Heimvorteil fällt allerdings weg, sobald Sie nicht um eine Professur bewerben, sondern z.B. um eine Nachwuchsgruppe aus einem Drittmittelprogramm. Hier kommt aber der von Ihnen erwähnte Big Shot-Bonus ins Spiel: Große Namen können ein Gütesiegel sein, das Ihre Chancen selbst dann befördert, wenn niemand Sie persönlich kennt.
Ihre Promotionsbetreuerin können Sie nachträglich nicht mehr austauschen. Mit Stallgeruch einsprühen geht ebenfalls nicht. (Das wäre allerdings mal eine echte Marktlücke…) Worauf Sie aber durchaus Einfluss haben: Ihre Vernetzung! So erfahren Sie früher von neuen Trends, die Kollegen denken eher an Sie, wenn ein Partner für eine Forschungskooperation gesucht wird, oder Ihr Name fällt schneller, wenn eine Podiumsdiskussion zusammengestellt wird. Sehen Sie es daher als Herausforderung an, hier ein konkretes Defizit aktiv aufzuarbeiten. Denn irgendwann kommt auch der Moment, in dem jemand in einer Gutachter-Kommission sagt: „Ah, den kenne ich. Den sollten wir uns näher anschauen.“
Übrigens gibt es noch eine Menge anderer Faktoren, mit denen Sie sich von Ihren Konkurrenten abheben können: Neben Klassikern wie Publikationen und Drittmitteln werden sich Berufungskommissionen z.B. auch anschauen, wie gut Sie mit Ihrem Forschungsprofil zum jeweiligen Fachbereich passen, oder ob Sie regelmäßig in den Medien präsent sind. Viele Stiftungen bewerten heutzutage auch die gesellschaftliche Relevanz Ihrer Arbeit. Und Sie können immer punkten, wenn Sie sich auf besonders gefragte Methoden spezialisiert oder innovative Forschungsformate entwickelt haben. Wenn Sie hier Ihre persönliche Nische finden, brauchen Sie auch keinen Stallgeruch mehr.

Dr. Uli Rockenbauch ist Persönlicher Referent der Geschäftsführerin der Helmholtz-Gemeinschaft und berät die Scientific Community im ZEIT CHANCEN Brief als "Dr. acad. Sommer".
 
   
   
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Ende des Bildungswunders Viele Jahre lang galt 
Finnland als Vorbild: Gute Schulen, super Schüler. Nun bröckelt der Mythos 


Apocalypse – Stopp now! Warum Brachialkritik unseren Schulen mehr schadet als nützt Ein großer Zacken Wagemut Endlich fertig! Mit einem neuen Spektakelbau will die Uni Lüneburg die Forschung beflügeln Sie sind großartig! Die neuen Studenten starren unentwegt aufs Smartphone und interessieren sich nur für sich selbst? Das ist Unsinn, findet der Dozent Christian Schüle

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