| | | | | Schnuckel-Schnauzbart-Chef-Osman Sie haben es wieder getan: Die Redaktion der NDR-Satiresendung »extra 3« hat gestern Abend einen neuen Song über den türkischen Präsidenten Erdoğan veröffentlicht – genau ein Jahr nach dem letzten. War es wieder Zeit für eine Provokation? »Es geht uns nicht darum, dass Erdoğan sich aufregt und ein Eklat entsteht, uns geht es darum, warum wir uns aufregen«, sagt uns Andreas Lange, Redaktionsleiter von »extra 3«: darüber, was Erdoğan über Merkel gesagt hat, über seine Nazi-Vorwürfe. Die eingesperrten Journalisten, »das ist Wahnsinn«, so Lange. Wie passend, dass Nena außer »Irgendwie, irgendwo, irgendwann« noch einen zweiten großen Hit hatte, in der Neuversion von »99 Luftballons« stammt der Text allerdings von den »extra 3«-Autoren Dennis Kaupp und Jesko Friedrich. Und er geht wieder ins Ohr, man möchte direkt mitsingen: »Hast du etwas Zeit für mich, dann singe ich ein Lied für dich von Recep Tayyip Erdoğan, dem Schnuckel-Schnauzbart-Chef-Osman...«, aber hören Sie selbst: Wie das wohl diesmal beim türkischen Staatspräsidenten ankommen wird? Lange sagt: »Wir stehen mit beiden Beinen fest auf dem Grundgesetz, in Deutschland herrscht Presse- und Meinungsfreiheit.«
»Es gibt keinen vernünftigen Grund gegen die Straßenbahn« In einer aktuellen Greenpeace-Studie wird die Verkehrs- und Mobilitätssituation in Großstädten verglichen. Hamburg steht im Ranking auf dem nicht besonderen Platz 10; für die Verfasser der Studie ein Anlass, für bessere Luft UND bessere Anbindung einen alt bekannten Vorschlag wieder aus der Schublade zu holen: eine Straßenbahn für Hamburg. Wir sprachen mit dem Verkehrsplaner und Nahverkehrsexperten Dieter Doege. Elbvertiefung: Herr Doege, wäre eine Straßenbahn für Hamburg sinnvoll?
Dieter Doege: Natürlich. Das habe ich mit meinen Kollegen schon vor fast drei Jahren in einer Studie gefordert. EV: Warum ist eine Straßenbahn denn besser als Busse?
Doege: Erster Vorteil ist, dass die Straßenbahn wesentlich größer ist als ein Bus und auch nur einen Fahrer braucht. Das heißt, dass auch zu den Stoßzeiten alle mitgenommen werden können. Zweitens braucht die Straßenbahn nur 10 Prozent der Energie, die ein Bus benötigt. Und drittens fährt sie mit Strom, und durch die Rückspeisung der Bremsenergie geht im Gegensatz zum Bus keine Energie verloren. EV: Einige dieser Argumente gelten auch für die U-Bahn...
Doege: Das stimmt, aber im Gegensatz zur U-Bahn ist die Straßenbahn im Straßenverkehr präsent. Man muss nicht in einen Tunnel, sondern sie steht direkt vor Ihnen auf der Straße. Dabei ist sie leiser und umweltfreundlicher als ein Bus. Und erreicht fast die Kapazität einer U-Bahn. EV: Wie könnte es aussehen, wenn Hamburg wieder eine Straßenbahn bekäme? Die letzte Tram hier wurde 1978 von der Straße genommen.
Doege: Es gibt ein großes Problem in Hamburg: die peripheren Verbindungen. Wenn Sie von außerhalb kommen, führt jede Linie ins Zentrum oder zum Hauptbahnhof. Wenn Sie mit der U-Bahn von Volksdorf nach Farmsen fahren, ist die rappelvoll. Etwa 30 Prozent der Fahrgäste bleiben in der Bahn sitzen, obwohl sie gar nicht zum Hauptbahnhof wollen. Gäbe es beispielsweise eine Querverbindung von Farmsen zur Kellinghusenstraße, würde dieser Teil aussteigen und Platz für die anderen machen und dazu noch selbst schneller ans Ziel kommen. Wenn man die Verkehrsströme entzerren kann, gewinnt man also Zeit und Geld. EV: Das heißt, es gibt konkrete Pläne zum Straßenbahnbau in Hamburg?
Doege: Ja, mit allen Details. Auch viele Politiker verstehen nicht, warum das nicht umgesetzt wird, aber Olaf Scholz lässt diesbezüglich nichts an sich rankommen. EV: Ist der E-Bus denn nicht eine Alternative zur Straßenbahn?
Doege: Es gibt die »Innovationslinie« 109, eine Buslinie vom ZOB bis zur U-Bahn Alsterdorf, wo nur Elektrobusse fahren sollen. Ab 2020 soll Hamburg dann nur noch E-Busse kaufen, aber das Problem ist: Die Akkus sind sehr schwer, sehr teuer und haben keine lange Lebensdauer. Ich sehe da keine Zukunft, das System ist zu fragil und nirgends richtig erprobt. Von 1970 bis heute sind großstadttaugliche Batterie-E-Busse immer noch nicht serienreif geworden, das wird auch bis 2020 nicht gelöst werden. |
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