Fünf vor 8:00: Etwas Licht im Dunkelfeld - Die Morgenkolumne heute von Frida Thurm

 
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FÜNF VOR 8:00
02.04.2019
 
 
 
   
 
Etwas Licht im Dunkelfeld
 
Horst Seehofer stellt heute die Kriminalitätsstatistik vor – die hat große Schwächen. Neue BKA-Zahlen könnten dagegen Klarheit in eine aufgeheizte Debatte bringen.
VON FRIDA THURM
 
   
 
 
   
 
   

Für den Bundesinnenminister dürfte es einer der wichtigsten Termine des Jahres sein: der Tag, an dem er die Polizeiliche Kriminalitätsstatistik (PKS) präsentiert, also heute. Schließlich geht es um die Sicherheit im Land. Und ganz egal, in welche Richtung die Kurve sich neigt, Horst Seehofer kann, wie auch seine Vorgänger, die Zahlen für politische Botschaften nutzen: Sinkt die registrierte Kriminalität, ist das eine Erfolgsmeldung, das Resultat guter Arbeit der Sicherheitsbehörden. Steigt sie, muss die Polizei dringend gestärkt werden, sei es durch Geld oder weitergehende Befugnisse.
 
Die PKS, so erscheint es, ist in den vergangenen Jahren mit immer mehr Bedeutung aufgeladen worden. Je heftiger über mögliche Bedrohungen durch Flüchtlinge, über Terrorismus und eine Verrohung der Gesellschaft diskutiert wird, umso stärker wächst die gefühlte Unsicherheit. Da tut es gut, sich auf Fakten berufen zu können. Das gilt für alle politischen Lager: Aus der PKS ließ sich im vergangenen Jahr etwa lesen, dass die Zahlen sich viel positiver entwickeln, als der öffentliche Diskurs es vermuten lassen würde. Also alles nur Panikmache! Es ließ sich aber in einer Sonderauswertung aus den Zahlen für 2017 ebenso lesen, dass Zuwanderer überproportional häufig Tatverdächtige sind. Haben wir es doch gewusst!
 
Dass die PKS nur bedingt dafür taugt, ein objektives Bild der Sicherheitslage in Deutschland zu zeichnen, liegt auch an ihren blinden Flecken: Sie zeigt nur Fälle, mit denen die Polizei sich beschäftigt hat. Bei einigen Delikten gibt es aber ein großes Dunkelfeld, etwa bei Sexualstraftaten. Und auf der anderen Seite kommt längst nicht bei jeder angezeigten Tat ein Richter zu dem Schluss, dass auch wirklich eine Straftat geschehen ist. In der PKS bleiben diese Fälle dennoch.
 
31.000 Menschen befragt
 
Der wichtigere Termin an diesem Dienstag ist deshalb ein anderer: Holger Münch, der Chef des Bundeskriminalamts, wird neben Seehofer einen Bericht vorstellen, der die blinden Flecken der PKS zumindest verkleinern kann: Für den sogenannten Viktimisierungssurvey wurden 31.000 Menschen unter anderem gefragt, ob sie Opfer einer Straftat wurden. Dort tauchen also auch Taten auf, die nicht angezeigt oder von der Polizei entdeckt wurden. Die Menschen wurden außerdem gefragt, wie sicher sie sich fühlen. Für Daten über Ängste der Deutschen muss bisher meist auf die Befragung einer Versicherung zurückgegriffen werden.

Welche Erkenntnisse können die neuen Daten bringen? Zum Beispiel einen etwas engeren Abgleich zwischen Ängsten und tatsächlicher Bedrohung. Der Kriminologe Thomas Feltes hat so eine Viktimisierungsstudie für die Stadt Bochum bereits 2016 durchgeführt. Von den Befragten gaben 0,3 Prozent an, im Jahr vor der Befragung Opfer eines Raubes geworden zu sein. Allerdings hielten es 18,2 Prozent für wahrscheinlich, in den kommenden zwölf Monaten Opfer einer solchen Straftat zu werden. "Damit ist der Glaube, im nächsten Jahr Opfer zu werden, 62-mal so hoch wie die reale Gefahr", schreibt Feltes.
 
Etwas mehr Sachlichkeit
 
Der bisher einzige (und damals noch nicht auf Wiederholung ausgelegte) bundesweite Viktimisierungssurvey stammt aus dem Jahr 2012 und hat ergeben, dass jeweils weniger als ein Prozent der Bürgerinnen und Bürger in einem Jahr von schwereren Formen der Kriminalität wie Wohnungseinbruch Raub oder Kfz-Diebstahl betroffen waren. Wie sich diese Zahlen verändern, wird sich von nun an beobachten lassen. Die Innenministerkonferenz hat beschlossen, dass diese Viktimisierungssurveys nun regelmäßig erhoben werden sollen, am besten jährlich, doch zweijährlich erscheint ihr realistischer.
 
Wenn Horst Seehofer und Holger Münch heute ihre Zahlen präsentieren, ist das also durchaus einer der wichtigsten Termine des Jahres. Für die Sicherheit, vor allem aber für die Sachlichkeit im Land.

 
   
 
   
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Fünf vor 8:00 ist die Morgenkolumne von ZEIT ONLINE. An jedem Werktag kommentieren abwechselnd unter anderem Michael Thumann, Theo Sommer, Alice Bota, Matthias Naß, Martin Klingst und Jochen Bittner.
   
 
   
 
 
   

Diese Woche: Brutalität und Hoffnung

 
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Liebe Leserinnen und Leser,

diese Woche bin ich auf einen Artikel gestoßen, der mich erschüttert hat. Szenen, in denen die Bösen den Guten Gewalt androhen oder sogar antun, um ihre Ziele durchzusetzen, kennen die meisten aus Action-Filmen. Ich selbst liebe solche Filme, und wenn gewaltätige Szenen darin vorkommen, sehe ich zwar nicht gerne hin, aber nach dem Film denke ich auch nicht mehr allzu lange darüber nach. Das waren nur Schauspieler, denke ich dann. Das Blut und die Tränen waren nicht echt und es ist ohne Probleme möglich, eine Distanz aufzubauen.

Doch für viele unschuldige Syrer sind Szenen wie diese erbarmungslose Realität. Ahmad Helmi wurde drei Jahre lang gefoltert und misshandelt, bis er freigelassen wurde. Mariam al Hallaks Sohn ist den Verletzungen durch die Folter erlegen. Viele Menschen wissen gar nicht, was mit ihren Angehörigen passiert ist und warten jahrelang auf ein Zeichen von ihnen. Ahmad und Mariam haben ihre Erfahrungen geschildert. Was sie erlebt haben, wird mir noch sehr lange im Kopf bleiben.

Habt ihr gewusst, dass solche Dinge tatsächlich Menschen passieren? Schreibt uns an schule@zeit.de.

Eure Sophia
   
   
Die Woche
   
   
 
Brutalität und Hoffnung
 
Ahmad Helmi und Mariam al Hallak sind durch die Hölle gegangen und haben viel Gewalt und Brutalität erfahren. Umso beeindruckender ist ihr Wille, etwas zu verändern und für mehr Hilfe für Folteropfer und deren Hinterbliebenen zu kämpfen. Hier erzählen die beiden, was sie erlebt haben.
 
Artikel auf zeit.de
   
 
 
 
 
   
 
Trumps Triumph
 
Robert Mueller ermittelte gegen Donald Trump wegen Verdacht auf eine strafbare Zusammenarbeit mit Russland während des Wahlkampfs. Nun entlastet er Trump, denn er konnte keine Verschwörung feststellen. Jörg Wimalasena kommentiert das Geschehen.
 
Artikel auf zeit.de
   
   
 
Brexit Update
 
Zum dritten Mal hat das britische Parlament Theresa Mays Abkommen zum Brexit abgelehnt. Nun droht am 12. April ein ungeordneter Austritt. Im Live-Blog hat ZEIT Online das Geschehen kommentiert und erklärt, wie es jetzt weitergeht.
 
 
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Das Leben
   
   
 
Eine furchtbare Entscheidung
 
Die Überlebenswarscheinlichkeit von Kindern mit Trisomie 18 ist sehr gering. Was, wenn man genau diese Diagnose in der Schwangerschaft erhält? Ein betroffenes Paar schildert seine Situation und erklärt, wieso es sich entschieden hat, die Schwangerschaft abzubrechen.
 
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Der Hype um Greta Thunberg
 
Greta Thunberg ist die wohl bekannteste Klimaaktivistin bei den Fridays for Future Protesten. Man feiert und ehrt sie auf den Straßen. Aber gerade dieser Personenkult kann gefährlich für die Demonstrationen werden.
 
 
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Ein Schritt gegen Plastik
 
Das Europaparlament stimmte mit großer Mehrheit für ein Verbot von Einwegprodukten aus Plastik. Ab 2021 soll das Verbot in Kraft treten und dafür sorgen, dass weniger Müll in die Meere gelangt.
 
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Bachelor, und weiter?
 
Wenn du keinen Plan hast, was du nach dem Bachelor tun sollst, bist du nicht alleine. Helfen könnten diese sechs Fragen, die ZEIT Campus zusammengestellt hat. Sie geben eine grobe Struktur und zeigen, was wichtig ist.
 
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